Die Jahre von 1945 bis 1950 standen im Zeichen des Kampfes gegen die durch den Weltkrieg hervorgerufene unmittelbare Not. Die Arbeitsbelastung des Bürgermeisters war unvorstellbar, musste er doch mit nur einer Mitarbeiterin alle Verwaltungsaufgaben bewältigen. Durch die Zerstörung vieler deutscher Städte waren vor 1945 mehrere Hundert Evakuierte in unser Dorf geströmt. Ihnen folgten ab 1945 die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten. Für sie alle musste Wohnraum geschaffen werden, dabei ist der Bürgermeister mehrfach persönlich angegriffen worden, wenn er Zimmer beschlagnahmte. So ist es verständlich, das für Lesemann und den gesamten Gemeinderat die Siedlungspolitik im Mittelpunkt der Arbeit stand.Wohnungsbau war Gebot der Stunde. Die Möglichkeit hierzu wurde durch zwei gigantische Umverteilungsprojekte jener Zeit geschaffen, den "Lastenausgleich" und den "sozialen Wohnungsbau". Nun war aber in Almena jede Fläche landwirtschaftlich genutzt. Für den sozialen Wohnungsbau blieb nur das Kirchenland übrig. Es gelang Lesemann schon 1948, den Kirchenvorstand zur Abgabe eines Grundstücks zu bewegen, auf dem bis 1954 12 neue Hausstellen begründet wurden (Bereich Lilienweg/Veilchenweg). Auf dem Kirchenland "Gänsefuß" folgten bis 1958 13 weitere Neubauten.Es war klar, das die politische Gemeinde nun die Initiative ergreifen musste. So entschied sich der Gemeinderat 1958 dafür, den Hof Strunk im Bükerfeld zu erwerben und die Parzellen zum Selbstkostenpreis an Bauwillige abzugeben. Eine Bautätigkeit wie zwischen 1960 und 1968 hat es in der Geschichte unseres Dorfes noch nie gegeben. Im Durchschnitt entstanden damals 17 neue Häuser pro Jahr im Siedlungsgebiet Bükerfeld. Die Gestalt unseres Dorfes veränderte sich von Grund auf. All dies wäre ohne die Hilfen des sozialen Wohnungsbaus unmöglich gewesen. Jede Hausstellengründung war mit enormer Arbeit für den Bürgermeister verbunden, wie z.T. erhaltene Akten zeigen. Die Hauptlast trug dabei der Nachfolger Lesemanns, Friedrich Humke. Eine weitere Vorraussetzung für diese Siedlungstätigkeit bestand in der gezielten staatlichen Hilfe für unterentwickelte Regionen, durch die in der unmittelbaren Umgebung unseres Dorfes zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen wurden. ("Ostwestfalen-Plan"). Die in Nordrhein-Westfalen bis 1966 regierende CDU hatte nämlich die sozialdemokratische Forderung nach gezielter Wirtschaftsförderung übernommen. In den 60-er Jahren hatten so fast alle Almenaer Bürger einen Arbeitsplatz in der unmittelbaren Umgebung unseres Dorfes. Aus einem Zieglerdorf war Almena zu einem Pendlerdorf geworden.
Die Modernisierung der Infrastruktur
Für die gewaltige Expansion unseres Dorfes waren natürlich moderne Versorgungseinrichtungen entscheidend, vor allem Wasserleitung und Kanalisation. Bis 1952 waren fast alle Häuser auf Brunnen angewiesen. Für die modernen Siedlungshäuser wäre aber die Anlage von Brunnen völlig unmöglich gewesen. So beschloss der Gemeinderat 1952 die Anlage einer Wasserleitung. Die finanzielle Voraussetzung hierfür bildete die "produktive Arbeitslosenhilfe", denn es gab damals noch viele Erwerbslose, denen durch staatliche Arbeitsbeschaffungsprojekte geholfen werden musste. Auch die regierende CDU glaubte damals nicht an die "Selbstheilungskräfte des Marktes". Träger der Einrichtung war der "Wasserbeschaffungsverband Almena-Kükenbruch", dessen verantwortliche Leitung bei den Almenaer Bürgermeistern Lesemann und Humke lag.
10 Jahre später wurde für den Ortskern unseres wachsenden Dorfes die Kanalisation verwirklicht, eine unabdingbare Notwendigkeit für die Modernisierung Almenas. Dies Großvorhaben konnte im Gegensatz zur Wasserversorgung nur über Kredite finanziert werden. Der Gemeinderat legte aber Wert auf einen banküblichen Tilgungsplan, der noch einzusehen ist. Eine Dauerverschuldung der Gemeinde sollte es nicht geben.
Neben diesen unmittelbar vom Gemeinderat betriebenen Ausbaumaßnahmen, durch die unser Dorf aus einem rückständigen Kleinbauernort zur modernisiertesten Gemeinde im Extertal wurde, waren der vollständige Umbau des Straßennetzes von 1958 bis 1964, der Bau des Sportplatzes 1960 und die Fertigstellung der Rosenberganlage im gleichen Jahr Erfolge einer arbeitsintensiven Kommunalpolitik. In dieser Zeit waren alle Straßen in hervorragendem Zustand, besaß doch die Gemeinde Almena als einzige Gemeinde im Extertal eine Straßenwalze und eine Teerspritze. Sogar eine eigenen Müllabfuhr gab es in Almena bereits Anfang der 60-er Jahre, als an die Notwendigkeit in vielen anderen Gemeinden noch gar nicht gedacht wurde.
Die Bemühungen des Gemeinderates und die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger an der Dorfgestaltung wurden mehrfach mit hervorragenden Platzierungen im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" belohnt. 1965 errang Almena sogar den ersten Preis, Almena wurde zum schönsten Dorf des ganzen Kreises erklärt. Almena hat an diesem Wettbewerb bereits weit mehr als 25 Mal teilgenommen.
Für die Bürgermeister war jedes Projekt mit zahlreichen Verhandlungen und der Abfassung von Schriftstücken verbunden, die in vielen umfangreichen Bänden noch vorhanden sind. Bürgermeister, SPD-Fraktion und Gemeinderat mussten für die grundlegende Umgestaltung unseres Dorfes ein hohes Maß an Arbeitsleistung erbringen. All dies geschah nicht auf "obrigkeitlichen Befehl", sondern in selbstverantworteter Eigeninitiative unserer Bürger. Die große Bereitschaft, mitzuarbeiten, ist durch das hohe Maß an kommunaler Eigenständigkeit der Gemeinde Almena zu erklären. Die Gemeindemitglieder konnten alle Entscheidungen für das Schicksal unseres Dorfes selbst treffen.
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