Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 begann für unser Dorf eine scheinbar aussichtslose Zeit. Wieder wurden wie 1923 die meisten Bürger erwerbslos, ohne das Auswege erkennbar waren. Die Not der Zeit führte zu einer gewaltigen Radikalisierung, die den Aufstieg der NSDAP ermöglichte.
Die wirklichen Ursachen des Zusammenbruchs der Wirtschaft waren viel zu kompliziert, um von vielen Bürgern begriffen zu werden. Hitler dagegen gab eine einfache Antwort: Das von den Juden beherrschte demokratische System ist die Wurzel des Übels.
Bereits 1931 traten alle bürgerlichen Politiker in Almena zur NSDAP über und erreichten bei der Kommunalwahl 1932 fünf von neun Mandaten. Die vier verbliebenen SPD-Ratsmitglieder stimmten geschlossen gegen den von den Nazis nominierten Vorsteher.
Dies war praktisch das Ende der alten SPD-Ortsgruppe, denn nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 wurden die Mandate der sozialdemokratischen Partei im April 1933 annulliert. Danach war jede Betätigung im sozialdemokratischen Sinne mit den größten Risiken behaftet. Ein Teil der Almenaer SPD-Mitglieder ging deshalb zum Sieger über. So befand sich der ehemalige SPD-Ratsherr Rinne schon 1933 wieder im Gemeindeausschuss, diesmal als NSDAP-Mitglied. Dagegen blieb Heinrich Wieneke ein klarer Gegner der Nazis, die dem über 70 Jahre alten Mann alle möglichen Schwierigkeiten machten. Als besonders eindeutige Feinde der Diktatur waren die ehemaligen Ratsmitglieder Maurer August Schröder und Schuhmacher Heinrich Brand bekannt. Schröder hatte als Küster der Almenaer Kirche den Bekenntnispfarrer Middendorf unterstützt, wo er konnte, während sich der damalige Organist als Gestapo-Spitzel betätigte.
Brand wurde von einem ehemaligen Parteigenossen beschuldigt, er habe Hitler "Verbrecher" genannt und musste deswegen einige Zeit im Gefängnis verbringen.
Einen direkt organisierten Widerstand der SPD hat es in Almena nicht gegeben. Hauptziel des Hasses der Nazis war deshalb auch eher die Kirche, in der die kritische Einstellung der Hitlerdiktatur gegenüber in der "Bekennenden Kirche" besonders deutlich wurde.
Die SPD-Ortsgruppe hatte sich organisatorisch vollständig aufgelöst. Außer Heinrich Brand hat nach 1945 keiner der alten Ratsherren zur SPD zurückgefunden. Der spätere SPD-Bürgermeister Heinrich Lesemann berichtete, er habe 1945 eine von den Nazis erstellte "Schwarze Liste" mit den Namen von Regimegegnern vorgefunden, die nach dem "Endsieg" liquidiert werden sollten. Leider hat er das Dokument vernichtet, um keinen erneuten Hass in unserem orf aufkommen zu lassen.
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