Stationen der Almenaer SPD-Geschichte

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterGeschichtliches vor 1919
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterGründung des Ortsvereins Almena 1919
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDie Ortsgruppe 1919 bis 1933
Kommunalpolitik in Almena 1919 bis 1933
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSozialdemokratisches Vereinsleben in Almena
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterIn der NS-Zeit
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterNeugründung des Ortsvereins 1945
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSozialdemokratische Politik in Almena nach 1945
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSchulkampf 1966/1967
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDer SPD-Ortsverein in der Gemeinde Extertal
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDer SPD-Ortsverein Almena heute

Kommunalpolitik in Almena 1919-1933

In den Jahren zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Machtergreifung der Nazis hat der Almenaer Gemeinderat eine Reihe von Maßnahmen in Angriff genommen, die alle den Abbau des Gefälles von Stadt und Land betrafen. Die Industrialisierung vor 1914 hatte technische Veränderungen des menschlichen Lebens bewirkt, die weitgehend auf die Städte beschränkt blieben, während sich die Dörfer in einem vortechnischen Zustand befanden. Praktisch die gesamte Arbeit der Almenaer SPD von 1919 bis zum Ende der politischen Selbständigkeit unseres Dorfes 1968 betraf Investitionsmaßnahmen zur Modernisierung Almenas. Kommunalpolitik war gleichbedeutend mit Investitionspolitik. Dies hatte es in der bisherigen Geschichte noch nie gegeben, wo stets die Bewahrung des Bestehenden im Mittelpunkt gestanden hatte.

Versorgung mit Energie und Wasser

Die ländliche Bevölkerung war noch zu Beginn des 20.Jhd. auf den häuslichen Brunnen und Kerzenlicht angewiesen. Aber bereits vor 1918 wurde in unserem Dorf die Einführung des elektrischen Stroms eifrig diskutiert. 1919 beschloss der Gemeinderat, die Firma "Trachte" in Hohenhausen, die ein privates Elektrizitätswerk betrieb, mit dem Aufbau des Leitungsnetzes zu beauftragen, was noch im gleichen Jahre verwirklicht wurde. Allerdings dauerte es mehrere Jahre, bis tatsächlich alle Haushaltungen angeschlossen waren.

Dagegen scheiterte die geplante Versorgung mit fließendem Wasser an der finanziellen Misere der Gemeinde Almena und der Anlieger, die durch den Zusammenbruch der Weltwirtschaft 1929 hervorgerufen wurde. Auch war man davon ausgegangen, das das Wasser aus Bistrup herangeführt werden müsse.


Medizinische Versorgung

Bis 1922 waren die Bewohner unseres Dorfes auf Ärzte aus Bösingfeld angewiesen, obwohl kein Nahverkehr existierte und die Ärzte keine Kraftwagen besaßen. Dies führt krass den Unterscheid zwischen Stadt und Land im Gesundheitswesen vor Augen. Als 1922 der erste Arzt für unser Dorf gewonnen werden konnte, war es für den Gemeinderat äußerst schwierig, geeignete Praxisräume zu finden, herrschte doch große Wohnungsnot. Schließlich konnte der Arzt (Dr. Merz) in einem der beiden 1923 erbauten Fabrikantenhäuser in Fütig untergebracht werden. Dagegen erwies es sich als unmöglich, in Almena eine Apotheke zu errichten, obwohl Vorsteher Wieneke sich intensiv darum bemüht hatte. Eine eingehende Darstellung aus der Feder von Hermann Haack findet sich in der "Extertal-Chronik".


Bereitstellung von Bauland

Zwischen 1890 und 1914 waren in lmena 32 neue Hausstellen entstanden. Dennoch herrschte auch 1919 noch große Wohnungsnot. Dabei hatte der Gemeindeausschuss die Aufgabe, den vorhandenen Wohnraum durch Zwangsbewirtschaftung zu verwalten. Wegen der Geldentwertung war aber kein Landwirt bereit, Ackerland für Siedlungszwecke abzugeben. So trat die Gemeinde Almena in Verhandlungen mit der Kirche, die ihre Wiese "Am Rußkamk" (zwischen Hauptstraße und Alme) 1919 als Erbpachtgelände zur Verfügung stellte. Im gleichen Jahr schon errichtete Niderbracht dort ein Wohn- und Geschäftshaus. Die Häuser an der Hauptstraße sind die ersten durch kommunlae Maßnahmen geplanten und geförderten Hausstellen in Almena. Damit hatte der Gemeinderat einen Weg eingeschlagen, der zur völligen Umgestaltung unseres Dorfes führte. 1931 ging der "Kater-Hof" Nr.7 (später als "Lesemanns Hof" bekannt), damals der größte Almenaer Bauernhof, in Konkurs. Der Gemeindeausschuss beschloss, die Ländereien zu erwerben, um sie als Siedlungsland zu veräußern. Dieser Plan scheiterte aber an den hohen Kosten. 

Straßenbau

Der lippische Nordosten lag verkehrsmäßig in einem toten Winkel. Der Bahnhof Rinteln war nur zu Fuß zu erreichen. So gab es schon seit dem Beginn des 20. Jhd. Pläne zur Errichtung einer Kleinbahn, der Extertalbahn. Aber erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Projekt durch die energischen Maßnahmen des sozialdemokratisch geführten Landespräsidiums unter Heinrich Drake verwirklicht.

Für Drake bestand der Inhalt sozialdemokratischer Politik in der gezielten Förderung der Wirtschaft durch Staatshilfe, ein Konzept, das auf den Parteigründer Ferdinand Lassalle zurückgeht. Der Bau der Extertalbahn war die erste Maßnahme dieser Art in Lippe. Für die Gemeinde Almena bedeutete dies, das zu dem geplanten Bahnhof bei Rickbruch eine Verbindungsstraße gebaut werden musste.

1923 waren auf dem Höhepunkt der Geldentwertung alle Ziegler ohne Arbeit. Es gelang dem Vorsteher, Mittel aus der "produktiven Arbeitslosenhilfe" des Landes Lippe zu erhalten, um das Straßenbauprojekt zu verwirklichen. So ist 1924 die Bahnhofstraße (heute Teil der Hauptstraße) unter Mitwirkung der meisten Almenaer Bürger entstanden. 

Auch weitere Verkehrswege sollten auf diese Weise gebaut werden. Der Almenaer Berg war wegen seiner starken Steilungen für Fuhrwerke scher zu befahren. Das Auto war ja damals noch sehr selten. So wollte der Gemeinderat eine ganz neue, wesentlich günstiger gelegene Straße über den Almenaer Berg bauen. Die genauen Pläne des Projektes sind noch vorhanden, konnten aber nicht realisiert werden, weil die rigorosen Sparmaßnahmen der Reichsregierung Brüning (1930-1932) die "produktive Arbeitslosenhilfe" zum Erliegen brachten. 

Industrialisierung

Niemand aus unserem Dorf ist freiwillig Wanderziegler geworden. Die meisten unter ihnen hätten einen festen Arbeitsplatz in der Nähe ihrer Hausstelle vorgezogen. Hinzu kam, das das Baugewerbe nach 1919 in eine große Krise geriet. 1923 gelang es dem Gemeinderat, in Fütig eine Stuhlfabrik (Lampe&Kruse) anzusiedeln. Leider war es um die Solidität des Unternehmens schlcht bestellt. Es ging bereits 1931 in Konkurs, wobei die Arbeiter für ihren ausstehenden Lohn mit Stühlen abgefunden wurden.


Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSozialdemokratisches Vereinsleben in Almena