Der nationalkonservative Charakter der meisten Vereine in der Zeit des Kaiserreiches ließ eine Mitgliedschaft von Sozialdemokraten nicht zu, galten sie doch als Feinde der bestehenden monarchistischen Ordnung. So schufen sie sich ein ganzes Netz von SPD nahestehenden Vereinen, in denen man "unter sich" war. In Almena war besonders der SPD-Vorsitzende Wilhelm Bierhenke bei Gründung und Ausbau dieser Organisationen aktiv.
In Almena existierten SPD-nahe Vereine:
1. Die Ortsgruppe des "Reichsbundes der Kriegsopfer und Hinterbliebenen", eine gegen den konservativen "Stahlhelm" gerichtete Selbsthilfeorganisation der Opfer des Ersten Weltkrieges. Vorsitzender war Wilhelm Bierhenke. 1933 durch die Nazis aufgelöst, konnte dieser Verein 1947 wieder begründet werden und besteht noch heute.
2. Der Radfahrverein. Er stand der "Arbeitersportbewegung" nahe und wurde 1933 unter Beschlagnahme der Kasse aufgehoben. Die Vereinsfahne konnte damals gerettet werden und existiert noch heute.
3. Der Arbeiter-Turn- und Sportverein. Unter dieser Bezeichnung hatte sich unter Führung Wilhelm Bierhenkes der Almenaer Turnverein um 1929 der in Lippe besonders aktiven "Arbeitersportbewegung" angeschlossen. Die bürgerlichen Sportvereine waren damals stark von der national-konservativen Richtung geprägt. Bereits vor 1933 schied unser TuS aber wieder aus dem Arbeitersportbund aus, weil die Beiträge für diese Organisation zu hoch waren. So konnte der TuS das Jahr 1933 überleben. Allerdings musste Wilhelm Bierhenke als Vorsitzender zurücktreten.
4. Der Konsumverein. Dies gemeinwirtschaftlich orientierte Unternehmen war bereits in der Zeit der Weimarer Republik als Selbsthilfeorganisation der Verbraucher stark angewachsen. Es sollte ursprünglich des Konsumenten vor Preistreiberei im Bereich der lebensnotwendigen Güter schützen. Der Almenaer Konsum-Laden befand sich bis 1937 im Hause des Sozialdemokraten Fritz Bünte Nr. 41 (Alter Schulweg 2). Ein Gründungsdatum ist nicht zu ermitteln, es muss aber weit vor 1933 gelegen haben. Wegen der großen wirtschaftlichen Bedeutung verzichteten die Nazis auf die Auflösung des Vereins. 1937 bis 1959 wurde das Geschäft auf Nr.82 (Fütiger Straße 35) und von 1959 bis 1965 auf der gegenüberliegenden Hausstelle Nr.105 (Fütiger Straße 22) betrieben.
Die Bedeutung der Konsumvereine in der NS-Zeit bestand gerade darin, dass sie als einzige verbliebene legale SPD-nahe Organisation Sammelpunkt der Mitgliedschaft waren. Wirkliche Gegner der Sozialdemokratie mieden - auch nach 1945 - den Konsum.
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